Die Serie „Bridgerton“ sorgt aufgrund seiner Besetzung für Furore. Doch so schön es auch ist, dass die Netflix-Produktion durch ein „farbenblindes Casting“ punktet, so wenig entspricht es der Realität. Der europäische Adel ist immer noch viel zu weiß.

Bridgerton
Lady Daphne Bridgerton verliebt sich in den Duke of Hastings, doch hat ihre Liebe wirklich eine Chance? © LIAM DANIEL/NETFLIX

„Bridgerton“ ignoriert Hautfarben

Royals-Fans haben eine neue Lieblings-Serie: „Bridgerton“. In der Netflix-Produktion geht es um die junge Lady Daphne, die im London des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach einem passenden Heiratskandidaten ist. Das Besondere: Die Charaktere wurden unabhängig von ihrer Hautfarbe besetzt. Der britische Adel wird von schwarzen und weißen Schauspielerin verkörpert.

Während in „Bridgerton“ Hautfarben keine Rolle spielen, ist das in der Realität anders. Der europäische Adel ist noch immer eine geschlossene Gesellschaft, in der es vorrangig weiße Menschen gibt. „People of Color“ haben es bis heute verdammt schwer.

Hier klicken, um den Inhalt von http://www.youtube-nocookie.com anzuzeigen

Herzogin Meghan wird geliebt und gehasst

Als Herzogin Meghan ins britische Königshaus einheiratete, dauerte es nicht lange, bis ihre Hautfarbe thematisiert wurde. Einige Menschen fühlten sich plötzlich mehr denn je mit dem britischen Königshaus verbunden. Die Frau von Prinz Harry wurde aufgrund ihrer afroamerikanischen Herkunft zur Identifikationsfigur. Endlich wurden nicht nur weiße Menschen durch das Königshaus repräsentiert – der Jubel war groß.

Doch gleichzeitig überrollte Herzogin Meghan eine Welle des Hasses. Die ehemalige Schauspielerin wurde diskriminiert, angefeindet und sogar bedroht. Prinz Harry beklagte in einem Statement „rassistische Untertöne“ in der Berichterstattung über Meghan. Auch in den sozialen Netzwerken wurde die Kalifornierin übel angefeindet. Selbst Sohn Archie wurde angegriffen. Das Paar setzt sich heute gemeinsam gegen Rassismus ein.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von The Duke and Duchess of Sussex (@sussexroyal)

Lady Emma Weymouth leidet unter Alltags-Rassismus

Herzogin Meghan ist nicht die erste „Woman of Color“, die diese Erfahrung machen musste. Auch Lady Emma Weymouth bekam schlimme Anfeindungen zu spüren. 2013 heiratete die Tochter eines nigerianischen Öl-Tycoons den Adelsspross Ceawlin Thynn. Seine Eltern Alexander Thynn, der siebte Marquess von Bath, und Lady Anna waren strikt gegen die Hochzeit. „Bist du dir im Klaren darüber, was du einem 400-jährigen Stammbaum antust?“, hatte ihn seine Mutter vor der Trauung gefragt.

Noch immer gehört Rassismus für Lady Emma zum Alltag. „Ich bin niemand, der sich super schnell beleidigt fühlt, aber es ist schon ein Problem, wenn dir jemand wegen deiner Hautfarbe das Gefühl gibt anders zu sein”, erklärte Emma gegenüber dem „Tatler”-Magazin. Gerade ältere Generationen hätten Schwierigkeiten mit ihr.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von (EmmaThynnMarchionessOfBath) (@emmaweymouth)

Alexandre Coste Grimaldi ist der Sohn von Fürst Albert

Obwohl Alexandre Coste Grimaldi (*2003) (vermutlich) der älteste Sohn von Fürst Albert ist, hat er keine Chance auf den Thron. Seine Mutter Nicole Coste war zum Zeitpunkt seiner Geburt nämlich nicht mit dem Grimaldi-Chef verheiratet. Fürst Albert verzichtete jedoch in einer Talkshow, dass er finanziell für seine unehelichen Kinder sorge und sie Anspruch auf sein Privatvermögen haben.

Prinzessin Angela lebt zurückgezogen

Nicht nur positiven Zuspruch gab es auch nach der Hochzeit von Prinz Maximilian von Liechtenstein mit Angela Gisela Brown. Die Schwiegertochter von Fürst Adam II. tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf. Auch ihren Sohn Prinz Alfons (*2001) sieht man nie bei großen Events. Die 1958 in Panama geborene Unternehmerin gilt als erste Frau afrikanischer Abstammung, die in ein europäisches Adelshaus eingeheiratet hat. Aber war sie das wirklich?

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Luis Polo Roa 🇵🇦 (@luis.polo.roa)

Historiker diskutieren über Queen Charlotte

In „Bridgerton“ wird Queen Charlotte von der guyanisch-britischen Schauspielerin Golda Rosheuvel dargestellt. Einiges deutet darauf hin, dass die echte Königin Charlotte (*1744-*1818) ebenfalls nicht weiß war. Der Historiker Mario de Valdes y Cocom behauptet, dass die Königin von einer schwarzen Linie des portugiesischen Königshauses – genauer gesagt Margarita de Castro y Sousa – abstammt. Allerdings lebte diese 200 Jahre vor Charlotte. Können sich die Gene also erst Jahrhunderte später durchgesetzt haben?

Die Porträts von Allan Ramsay unterstützen dies Theorie, dass Queen Charlotte eine dunkle Hautfarbe hatte. Die Darstellungen anderer Künstler stark davon ab. Sollte die Königin etwa nicht so gezeigt werden wie sie wirklich war? Bis heute sind sich Historiker uneinig, welche Wurzeln Queen Charlotte wirklich hatte.

Doch eins ist sicher: Auch über 200 Jahre nach ihrem Tod ist die europäische Adelswelt immer noch verdammt weiß und weit von „Bridgerton“ entfernt. Und das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern.

Königin Charlotte hatte möglicherweise auch eine dunkle Hautfarbe. © Public Domain