König Philippe stellt sich der Vergangenheit. Er drückte nun sein Bedauern über die kolonialen Gräueltaten im Kongo aus.

Ein historischer Moment: Zum ersten Mal spricht ein belgischer König über die Kolonialverbrechen in Kongo. © picture alliance/Bernard Gillet/BELGIAN_FREELANCE-BELGA/dpa

König Philippe spricht über Kolonialzeit

König Philippe hat sein Schweigen gebrochen. Zum ersten Mal hat sich der Monarch im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung zu der Vergangenheit Belgiens in Kongo geäußert.

„Ich möchte mein tiefes Bedauern über diese Wunden der Vergangenheit bekunden, deren Schmerz heute wieder zu spüren ist wegen Diskriminierungen, die es in unserer Gesellschaft noch allzu oft gibt“, schrieb König Philippe in einem Brief an Präsident Félix Tshisekedi. Anlass ist der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongos. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein belgischer König sein Bedauern zu den Verbrechen in der Kolonialzeit geäußert hat. In seinem Schreiben spricht sich der 60-Jährige auch gegen den heutigen Rassismus aus.

Das düsteres Kapitel der belgischen Geschichte

König Leopold II. (*1835-†1909) hatte den afrikanischen Freistaat Kongo im 19. Jahrhundert kolonialisiert. Die schwarze Bevölkerung wurde durch seine Politik massiv ausgebeutet. Bis zu zehn Millionen Kongolesen wurden umgebracht und unzählige Menschen verstümmelt. Im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung wurden deswegen mehrere Statuen des Monarchen in Belgien verunstaltet. Die Universität Katholieke Universiteit Leuven hat sogar eine Statue des Regenten entfernen lassen.

Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang ein Kommentar von Prinz Laurent.  „Sie sollten sehen, was Leopold II. für Belgien getan hat“, hatte der Königsbruder gegenüber Sudpresse-Zeitungen. „Er hat in Brüssel Parks bauen lassen und viele andere Dinge. Leopold II. war selbst nie im Kongo. Und Sie sollten wissen, dass eine Menge Leute für ihn gearbeitet haben. Sie haben einen Missbrauch begangen. Es ist nicht so, dass Leopold II. das alles selbst gemacht hätte. Er war noch nie im Kongo. Ich sehe also überhaupt nicht, wie er die Menschen dort hätte leiden lassen können. Es ist wichtig, dass das auch mal gesagt wird.“

Quellen: FAZ, Deutschlandfunk