Königin Maxima und Königin Silvia haben eine traurige Gemeinsamkeit: Ihre Väter haben für große Kontroversen gesorgt. Für beide wurde das zum Problem.

Königin Maxima und Königin Silvia verbindet viel

Sie gehören zu den beliebtesten Königinnen Europas: Maxima der Niederlande und Silvia von Schweden. Beide Frauen haben zudem viel gemeinsam. Sie wuchsen in Südamerika auf, sind für die Liebe in ein fremdes Land ausgewandert und bekamen jeweils drei Kinder. Zwischen beiden stimmt die Chemie, wie sie bei gemeinsamen Treffen deutlich demonstriert haben.

Die Königin der Niederlande und die Königin von Schweden haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder bei öffentlichen Terminen getroffen. Beide verbindet viel. © dpa
Die Königin der Niederlande und die Königin von Schweden haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder bei öffentlichen Terminen getroffen. Beide verbindet viel. © dpa

Jorge Zorreguieta war Politiker während der Militärdiktatur in Argentinien

Doch es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Königin Maxima und Königin Silvia. Und diese ist eher traurig. Beide gerieten wegen der Vergangenheit ihrer Väter unter Beschuss. Doch was wurde Jorge Zorreguieta (*1928-2017) und Walther Sommerlath (*1901-1990) vorgeworfen?

Maximas Vater hatte während der Regierung von Diktator Jorge Rafael Videla den Posten des Landwirtschaftsministers inne. Insgesamt fielen der argentinischen Militärdiktatur mindestens 30.000 Menschen zum Opfer.

Kurz nach der Verlobung mit Willem-Alexander distanzierte sich Maxima öffentlich vom Videla-Regime. „Was in dieser Zeit in Argentinien passiert ist, ist schrecklich. Ich habe die Videla-Diktatur, das Verschwinden, die Folter, die Morde und all die schrecklichen Tatsachen dieser Zeit lange abgelehnt. Das hat sicherlich große Narben in unserer Gesellschaft hinterlassen“, sagte die gebürtige Argentinierin.

„Über die Teilnahme meines Vaters an dieser Regierung zu dieser Zeit möchte ich ganz ehrlich sagen, dass ich es bedauere, dass er sein Bestes für die Landwirtschaft im falschen Regime getan hat.“ Jorge Zorreguieta hätte jedoch nur nach bestem Wissen gehandelt.

Hat Maximas Vater nichts von den vielen Opfern gewusst?

Zorreguieta bestritt zeitlebens, von den Verbrechen des Regimes gewusst zu haben. Menschenrechtler werfen ihm eine zumindest moralische Mitverantwortung vor. „Zorreguieta spielte keine entscheidende Rolle bei der Unterdrückung, aber es ist naiv, anzunehmen, er habe nichts gewusst. Er arbeitete Seite an Seite mit einem Diktator, einem Mörder – er musste wissen, was im Land geschah“, klagte Menschenrechtsexpertin Estela de Carlotto. Als Folge durfte der Argentinier weder an der Hochzeit seiner Tochter noch bei der Krönung seines Schwiegersohnes teilnehmen.

Trotz der schweren Vorwürfe hielt Maxima stets zu ihrem inzwischen verstorbenen Vater. Zu einer wirklichen Untersuchung kam es nie. Bis heute kann die Schuld von Jorge Zorreguieta nicht eindeutig bewiesen werden – seine Unschuld aber auch nicht.

Königin Maxima liebte ihren Vater sehr. „Mein Vater ist und bleibt der ehrliche und hingebungsvolle Vater, der immer für mich da war“, erklärte sie nach der Verlobung mit König Willem-Alexander. © dpa
Königin Maxima liebte ihren Vater sehr. „Mein Vater ist und bleibt der ehrliche und hingebungsvolle Vater, der immer für mich da war“, erklärte sie nach der Verlobung mit König Willem-Alexander. © dpa

Walther Sommerlath war in der NSDAP

Und auch gegen Walther Sommerlath besteht ein böser Verdacht. Hat er sich im Nationalsozialismus bereichert? Der Vater von Königin Silvia war Mitglied der NSDAP. Diese Tatsache steht ohne Zweifel fest. Doch es steht noch ein anderer Vorwurf im Raum: Der gebürtige Heidelberger soll von der Enteignung des jüdischen Geschäftsmannes Efim Wechsler profitiert haben. Er übernahm damals dessen Berliner Fabrik.

2012 legte das schwedische Königshaus einen ausführlichen Untersuchungsbericht vor. Königin Silvia äußerte sich selbst zu den Vorwürfen. „Dass mein Vater als junger Mann so früh wie 1934 Mitglied der Nazi-Partei geworden ist, ein Jahr nachdem Hitler Reichskanzler wurde, ist eine Tatsache, die mich tief berührt hat“, erklärte sie in einem Video. „Meine Eltern haben nie mit mir oder den Geschwistern über diese Zeit gesprochen“, erklärte sie. „Es gibt viele Fragen, die ich ihnen gerne stellen würde, aber meine Eltern und Verwandte in deren Generation sind leider tot“.

Königin Silvia hat sich intensiv mit der Vergangenheit ihres Vaters auseinandergesetzt. „Ich habe keinen Grund, mein Bild von meinem geliebten Vater zu ändern“, so die Frau von König Carl Gustaf. © dpa
Königin Silvia hat sich intensiv mit der Vergangenheit ihres Vaters auseinandergesetzt. „Ich habe keinen Grund, mein Bild von meinem geliebten Vater zu ändern“, so die Frau von König Carl Gustaf. © dpa

Hat sich der Vater von Königin Silvia an der Arisierung bereichert?

Die Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass der Vater von Königin Silvia die Fabrik gegen Kaffeeplantagen in Brasilien getauscht hatte. Dadurch wurde Efrim Wechsler die Flucht aus Deutschland ermöglicht.

Doch Kritiker halten dieses Tauschgeschäft für einen Kuhhandel. Das Unternehmen in Berlin sei mehr als fünfmal so viel wert gewesen wie die eingetauschten Ländereien in Brasilien. Walther Sommerlath habe von der Not Efrim Wechslers profitiert.

„Als der Druck auf die jüdischen Geschäftsleute am stärksten war, kaufte Walther Sommerlath die Fabrik von Efim Wechsler in Kreuzberg. Den hatte die Polizei kurz zuvor aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Gewöhnliche Deutsche konnten damals viel Geld machen, indem sie den Juden zu einem Spottpreis deren Eigentum abkauften. Walther Sommerlath hat sich bewusst entschieden, von der Verfolgung der Juden zu profitieren“, so der Historiker Mats Deland. Seine wahre Motivation lässt sich heute aber nicht eindeutig klären.

Töchter können nicht für die Fehler ihrer Väter büßen

Königin Silvia nahm ihren Vater in Schutz. „Man muss psychologisch verstehen, wie das war, als Deutschland sich plötzlich wieder aus der Asche erhob. Und diese Freude darüber, dass das Vaterland wieder da war. Deshalb stützte mein Vater Deutschland und wurde Parteimitglied. Aber er war politisch nicht aktiv. Er war kein Soldat“, erklärte die Frau von König Carl Gustaf 2010 im Interview mit dem Privatsender „TV 4“.

Königin Maxima und Königin Silvia haben beide erlebt, was es bedeutet, wenn der geliebte Vater unter Beschuss steht. Beide mussten sich für etwas rechtfertigen, was sie nicht selbst verschuldet hatten. Es ist eine traurige Gemeinsamkeit, die beide Frauen bis heute verbindet.

Quellen: Süddeutsche, FAZ, Welt, Deutschlandfunk, Focus

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