Luise von Österreich-Toskana brannte schwanger mit dem Lehrer ihrer Kinder durch und sorgte für einen riesigen Skandal am sächsischen Hof.

Sie konnte fast jeden Mann mit ihrem charmanten Wesen bezirzen: Luise von Österreich-Toskana.  Sie war die Tochter von Ferdinand IV, dem letzten Großherzog von Toskana, und Prinzessin Alix von Bourbon-Parma © picture-alliance / akg-images | akg-images

Luise von Österreich-Toskana war begehrt

Die Männer lagen ihr zu Füßen. Als Luise von Österreich-Toskana (*1870-†1947) im heiratsfähigen Alter war, hatte sie gleichen mehrere Bewerber. Sowohl Peter von Sachsen-Coburg als auch Ferdinand I. von Bulgarien buhlten um ihre Gunst. Die 21-Jährige entschied sich jedoch für Friedrich August von Sachsen. Die Verbindung stärkte die Allianz zwischen beiden Häusern. Noch dazu hatte er Chancen auf den Thron. Ihre Hochzeit wurde schließlich im November 1891 pompös in Dresden und in Wien gefeiert.

Die Verbindung erwies sich als fruchtbar. Sechs Kindern schenkte Luise bis 1901 das Leben, nur Tochter Maria Alix Carola kam tot auf die Welt.

Sie verliebte sich in den Lehrer ihrer Kinder

Die Ehe zwischen Kronprinzessin Luise und Kronprinz Friedrich August wurde mit den Jahren immer unglücklicher. Mit den strengen Regeln am sächsischen Hof konnte sich die junge Frau einfach nicht anfreunden. Auch mit ihrem Schwiegervater hatte die unkonventionelle Adlige immer wieder Konflikte.

Schließlich verliebte sie sich in André Giron, den Sprachlehrer ihrer Kinder. Der junge und attraktive Belgier teilte ihre künstlerischen und musischen Neigungen. Im August 1902 begannen sie schließlich eine heimliche Affäre. Doch es dauerte nicht lange, bis der Ehebruch aufflog und am Hof zum Tuschelthema wurde. Nur Friedrich August ahnte nichts von dem Verhältnis seiner Frau. König Georg platzte der Kragen. Er drohte seiner Schwiegertochter schließlich damit, sie in eine Nervenheilanstalt einzuweisen.

Unter dem Vorwand ihren kranken Vater besuchen zu wollen, verließ die schwangere Luise Dresden und reiste nach Salzburg. Von dort aus floh sie nach Genf, wo sie mit ihrem Geliebten ein Apartment bezog. Ihre Kinder ließ die Kronprinzessin zurück.

Kronprinzessin Luise war in André Giron verliebt. Gleichzeitig haderte sie ohnehin mit ihrem Leben am Hof und wollte entkommen. © picture alliance / arkivi

Die Affäre sorgte für einen riesigen Skandal

Am sächsischen Hof war man zutiefst empört. Es wurde versucht, Luise zur Rückkehr zu bewegen, doch die Kronprinzessin lehnte ab. Sie liebte ihren André und wollte mit ihm ein neues Leben beginnen. Am 30. Dezember rief König Georg von Sachsen schließlich ein Sondergericht ein, um die Scheidung einzuleiten. Einen Tag zuvor hatten die Brünette und ihr Geliebter der Presse Interviews gegeben und sich gemeinsam fotografieren lassen. Es gab keine Chance mehr, den Skandal unter den Teppich zu kehren.

Im Scheidungsprozess versuchte Luises Anwalt zu retten, was noch zu retten war. Er forderte vor Gericht, „den Gemütszustand der Beklagten zu beachten“. Durch ihre Schwangerschaft habe ihre Seele gelitten. Ein ärztliches Gutachten widersprach jedoch einer Depression. Im Februar 1903 wurde die Scheidung schließlich rechtskräftig. Mehr oder wenig freiwillig verzichtete die Adlige schließlich auf ihren Titel und Apanage.

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Die Prinzessin durfte ihre Kinder nicht sehen

Am 4. Mai 1903 wurde schließlich ihre Tochter Anna Monika Pia geboren. Die kleine Prinzessin wurde als ehelich anerkannt und gehörte damit dem sächsischen Hof. Vorerst sollte Luise ihr Baby nur ein Jahr behalten dürfen und danach abgeben. Dies sorgte für allgemeine Empörung. Aufgrund der schlechten Presse für den Hof durfte sie ihre Tochter zunächst doch behalten.

1904 starb Georg und Friedrich August wurde zum neuen König. Luise wollte nach Dresden reisen, um endlich ihre Kinder wiederzusehen, doch die Polizei verwies sie des Landes. Auch als ihr Lieblingssohn Friedrich Christian schwer an Typhus erkrankte, durfte sie nicht zu ihm. Damit sie den kranken Jungen wiedersehen durfte, trennte sich die Prinzessin von ihrem Geliebten. Die Beziehung war ohnehin schon in einer schweren Krise. Doch auch nach der Trennung von André durfte sie ihren Sohn nicht besuchen.

Sie klagte wegen Kindesentführung

Am 25. September 1907 heirate Luise schließlich den 13 Jahre jüngeren Komponisten Enrico Toselli. Gemeinsam bekamen sie im Mai 1908 den Sohn Carlo Emanuele. Ihre Tochter Anna Monika Pia musste die gefallene Kronprinzessin schließlich im Oktober 1907 an Sachsen übergeben.

Und auch ihre Ehe zerbrach. Toselli brachte den gemeinsamen Sohn schließlich 1911 bei seinen Eltern unter. Luise klagte vor dem Gericht wegen Kindesentführung, musste aber eine herbe Enttäuschung erleben. Das alleinige Sorgerecht wurde dem Vater zugesprochen. Somit hatte sie auch ihr letztes Kind verloren. Ein halbes Jahr später wurde auch diese Ehe geschieden.
Am 23. März 1947 starb Luise von Österreich-Toskana schließlich mit 76 Jahren einsam und mittellos als Blumenfrau in Belgien. Keines ihrer Kinder kam zur Beerdigung.
Quelle: Skandal bei Hofe!: Die Flucht der Luise von Toscana, Kronprinzessin von Sachsen (Affiliate-Link zu Amazon)