Das Schicksal von Marie-Antoinette ist allgemein bekannt. Doch was wurde eigentlich aus ihren vier Kindern? Ihre Tochter Marie-Thérèse musste besonders viel leiden.

Marie Antoinette mit ihren Kindern Marie Thérèse und Louis Joseph.
Marie-Antoinette mit ihren Kindern Marie Thérèse und Louis Joseph. © Gemeinfrei

Marie-Antoinette: Das traurige Schicksal ihrer Kinder

Sie war die letzte Königin Frankreichs: Am 16. Oktober 1793 starb Marie-Antoinette während der Französischen Revolution durch die Guillotine. Bis zu ihrem Tod hatte die Frau von König Ludwig XVI. vier Kindern das Leben geschenkt.

Ihre älteste Tochter war Marie-Thérèse Charlotte von Bourbon. Sie wurde am 19. Dezember 1778 geboren. Nach dem Sturm auf die Tuilerien im August 1792 wurde „Madame Royale“, wie sie genannt wurde, mit ihrer Familie ins Temple-Gefängnis gesperrt. Kurze Zeit später musste jeder in Einzelhaft. Ihren Vater sollte sie niemals wiedersehen. Fünf Monate später starb Ludwig XVI. unter der Guillotine.

Marie-Thérèse war das älteste Kind von König Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. In Frankreich wurde sie „Madame Royale“ genannt. © Gemeinfrei

Wurde Marie-Thérèse geschändet?

Über ihre Zeit in Gefangenschaft gibt es viele Gerüchte. Einige Historiker behaupten, das junge Mädchen wurde von Gefängniswächtern missbraucht. Sogar von einer Schwangerschaft ist die Rede. Beweise gibt es dafür aber nicht.

Ihre Zeit im Temple soll jedoch von großer Einsamkeit geprägt gewesen sein. Weil niemand mit ihr sprechen durfte, verkümmerten ihre Sprachkenntnisse. Zudem wurde Marie-Thérèse depressiv und von Langeweile geplagt. Während ihrer Gefangenschaft standen „Madame Royale“ nur zwei Bücher zur Verfügung, die sie rauf und runter las.

Der Tod der Eltern wurde ihr verheimlicht

Was mit ihrer Mutter geschehen war, wusste die 14-Jährige lange nicht. Erst im Jahr 1795 erfuhr Marie-Thérèse die traurige Wahrheit. Im selben Jahr wurde der Königstochter auch eine Gesellschafterin geschickt. Renée de Chanterenne brachte dem Waisenkind mühsam wieder das Sprechen bei. Denn die drei Jahre in Isolation hatten ihre Sprachkenntnisse verkümmern lassen. Zudem unterrichtete sie das Mädchen in höfischer Etikette.

Kurz vor ihrem 17. Geburtstag wurde Marie-Thérèse aus ihrer Gefangenschaft entlassen und an den Wiener Hof gebracht. Am 10. Juni 1799 heiratete sie ihren französischen Cousin Louis Antoine d’Artois, Herzog von Angoulême. Durch die Hochzeit wurde sie zur Herzogin von Angoulême.

Nach verschiedenen Aufenthaltsorten kehrte sie nach Frankreich zurück. Ihre Eltern hatte sie nicht vergessen. In Paris ließ Marie-Thérèse ihre Gräber suchen. Die Leichen wurden schließlich exhumiert und am 21. Februar 1815 in der Kathedrale von Saint-Denis beerdigt. Zudem kämpfte sie für eine Wiederherstellung der Monarchie.

Obwohl ihrer Familie so viel Schreckliches widerfahren war, kämpfte sie für den Wiederaufbau der Monarchie. © Gemeinfrei

Schließlich wurde Marie-Thérèse sogar noch Königin

Nach Ludwig XVIII. und Karl X. wurde ihr Mann 1836 der neue König. Zumindest nach Auffassung der Legitimisten, die nur die Monarchie als einzige rechtmäßige Herrschaftsform anerkannten. Marie-Thérèse wurde so zur Titularkönigin von Frankreich. Ihr Mann, nun Ludwig XIX., starb acht Jahre später im Jahr 1844. Obwohl sie Kinder sehr liebte, waren ihr keine eigenen vergönnt. Vielleicht war das der Grund, warum sie in Niederösterreich eine Mädchen- und Volksschule errichten ließ. Die Hälfte ihres Vermögens spendete sie für wohltätige Zwecke.

„So schroff, so kalt sie nach außen wirkte, so mitfühlend und hilfreich war sie im Verborgenen…. Sie hatte am eigenen Leib erfahren, was es hieß, zu hungern und zu frieren, und sie vergaß es ihr Lebtag nicht“, schrieb Thea Leitner in dem Buch „Habsburgs vergessene Kinder“

Am 19. Oktober 1851 im Alter von 72 Jahren starb Marie-Thérèse an den Folgen einer Lungenentzündung. Begraben wurde sie in der Bourbonengruft des Franziskanerklosters im heutigen Nova Gorica in Slowenien. Sie war das einzige Kind von Marie-Antoinette, das überhaupt das Erwachsenenalter erreichte.

Weiterlesen: Das wurde aus den jüngsten Kindern von Marie-Antoinette