Prinz Laurent sorgt für einen Skandal. Während der „Black Lives Matter“-Bewegung verteidigt er seinen Großonkel Leopold II.

Prinz Laurent verteidigt König Leopold II. Der Monarch hatte den Staat Kongo als Privatkolonie in seiner Gewalt und war für den Tod von Millionen Afrikanern verantwortlich.
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Prinz Laurent verteidigt König Leopold II.

Gäbe es so etwas wie einen Fettnäpfchen-Wettbewerb, wäre Prinz Laurent der ungeschlagene Meister. Der Bruder von König Philippe hat sich mal wieder ordentlich in die Nesseln gesetzt. Grund dafür ist ein Kommentar über seinen Großonkel König Leopold II.

Der umstrittene Monarch (*1835-†1909) hatte den afrikanischen Freistaat Kongo im 19. Jahrhundert kolonialisiert. Die schwarze Bevölkerung wurde durch seine Politik massiv ausgebeutet. Bis zu zehn Millionen Kongolesen wurden umgebracht und unzählige Menschen verstümmelt. Im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung wurden deswegen nun mehrere Statuen des Monarchen in Belgien verunstaltet. Die Universität Katholieke Universiteit Leuven hat sogar eine Statue des Regenten entfernen lassen.

Prinz Laurent findet das bedauerlich. „Sie sollten sehen, was Leopold II. für Belgien getan hat“, sagte der 56-Jährige nun gegenüber Sudpresse-Zeitungen. „Er hat in Brüssel Parks bauen lassen und viele andere Dinge. Leopold II. war selbst nie im Kongo. Und Sie sollten wissen, dass eine Menge Leute für ihn gearbeitet haben. Sie haben einen Missbrauch begangen. Es ist nicht so, dass Leopold II. das alles selbst gemacht hätte. Er war noch nie im Kongo. Ich sehe also überhaupt nicht, wie er die Menschen dort hätte leiden lassen können. Es ist wichtig, dass das auch mal gesagt wird.“

Der Palast hat noch nicht reagiert

Was für eine Aussage! Als ob schöne Parks in irgendeinem Verhältnis zu den Gräueltaten stehen würden. Dass die Kolonialpolitik von Leopold II. massiv für das Leiden der Menschen verantwortlich war, lässt der Prinz damit komplett außen vor.

Immerhin räumt der Belgier ein, dass die westliche Gesellschaft in Afrika enormen Schaden angerichtet hat. „Wenn ich ein afrikanisches Staatsoberhaupt treffe, entschuldige ich mich immer für das Verhalten der Europäer während der Kolonien. Ich tue das immer“, betont er. Doch wie ernst kann man diese Entschuldigungen im Zuge seiner Äußerungen noch nehmen?

Im belgischen Königshaus ist man schon lange nicht mehr gut auf Prinz Laurent zu sprechen. 2018 wurde ihm nach diversen Fehlverhalten sogar ein Teil seiner Apanage gestrichen. Der Palast hat sich noch nicht zu seinem neuesten Fehltritt geäußert.

Quellen: Demorgen.be, hln.be, standaard.be