Queen Mary war eine verabscheute Kleptomanin. So dreist ging die Großmutter von Queen Elizabeth bei ihren Diebestouren vor.

Queen Mary und Queen Elizabeth
Queen Mary soll ihre Enkelin Queen Elizabeth nicht besonders gemocht haben. © picture alliance / Heritage-Images | The Print Collector/Heritage Images

Queen Mary war eine dreiste Diebin

Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Vergleicht man Bilder von Queen Elizabeth mit Queen Mary (*1867-†1953) im selben Alter, wird die Verwandtschaft sofort deutlich. Ebenfalls verbindet Großmutter und Enkelin ein enormes Pflichtgefühl und Disziplin.

Doch Queen Mary verfügte auch über ein Laster, das Queen Elizabeth überaus peinlich sein dürfte: Ihre Oma war eine Kleptomanin. Die Tochter eines deutschen Herzogs konnte dem Drang einfach nicht widerstehen, Sachen zu stehlen.

Queen Mary
Queen Mary posiert gemeinsam mit ihrem Sohn König George VI., ihrer Enkeltochter Elizabeth und ihrem Urenkel Prinz Charles bei seiner Taufe. © picture alliance/AP Photo | Uncredited

Adelsfamilien versteckten ihren Besitz vor der Königin

Bei ihren Diebestouren nutzte Queen Mary laut dem Buch „Royal Babylon“ von Karl Shaw immer eine ähnliche Taktik. Wenn sie irgendwo zu Besuch war, fixierte sie ein bestimmtes Objekt im Raum. Sobald ihr Gegenüber ihren Blick bemerkte, äußerte sie sich besonders wohlwollend über den Gegenstand. Ihr Tonfall war als Aufforderung der Übergabe zu verstehen.

Falls der Besitzer das Objekt aber nicht verschenken oder für einen geringen Preis verkauften wollte, steckte Queen Mary es einfach in einem unbeobachteten Moment in ihre Handtasche. Das brachte der Großmutter von Queen Elizabeth schnell den Ruf einer Kleptomanin ein. Es hatte auch zur Folge, dass einige Adelsfamilien ihre teuersten Besitztümer versteckten, wenn sich der Besuch der Königin ankündigte.

Queen Mary
Queen Mary, alias Maria von Teck, starb ein Jahr nach ihrem Sohn König George. © picture alliance / Everett Collection | –

Sie blieb, bis sie bekam, was sie wollte

Problematisch wurde es jedoch für Queen Mary, wenn das Objekt ihrer Begierde nicht in ihre Handtasche passte. So ereignete es sich auch, als sie bei Lady Hudson zum Tee eingeladen war. Sofort verliebte sich die Frau von George V. in die handbemalten Stühle. Doch mit ihrer Bewunderung stieß die Adlige auf taube Ohren. Selbst auf die Anmerkung, dass die Sitzobjekte hervorragend zu dem Tisch in ihrem Palast passen würden, folgte nur ein freundliches Lächeln ihrer Gastgeberin.

Stunde um Stunde vergingen und Queen Mary machte keine Anstalten zu gehen. Sie blieb einfach auf ihrem Stuhl sitzen. Als es schließlich nach neun Uhr abends war, gab Lady Hudson nach. Sie überließ der Königin ihre geliebten Stühle. Wieder einmal hatte die Adlige bekommen, was sie wollte.

Großmutter von Queen Elizabeth war ein Geizkragen

Doch die Frau des Königs stahl nicht nur bei ihren Bekannten. Auch wenn Queen Mary ein Geschäft betrat, waren die Angestellten in höchster Alarmbereitschaft. Denn häufiger passierte es der Adligen, versehentlich Dinge einzustecken ohne dafür zu bezahlen.

Doch Queen Mary war nicht nur ein dreister Langfinger, sondern auch ein echter Geizkragen. Wenn sie Freunde besuchte, brachte sie ihnen alte Blumensträuße aus dem Palast mit, weil sie zu geizig war, Geld für neue Blumen aufzubringen.

Auch sonst bekleckerte sie die Großmutter von Queen Elizabeth wenig mit Ruhm. Die Königsgattin versteckte ihren eigenen Sohn vor der Öffentlichkeit, weil sie sich für seine Erkrankung schämte. Prinz John (†13) zeigte Anzeichen einer geistigen Behinderung, litt zudem unter epileptischen Anfällen. „Es war ein großer Schock”, schrieb Königin Mary in ihr Tagebuch. „Sein Tod war aber auch eine große Erleichterung.”
Quellen: BBC History Extra, Royal Babylon von Karl Shaw, Lisawallerrogers.com