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Alemayehu von Äthiopien: Der traurige Prinz von Schloss Windsor

ADELSWELT erzählt die traurige Geschichte von Prinz Alemayehu von Äthiopien, der seine letzte Ruhestätte gegen seinen Willen auf Schloss Windsor fand.

Prinz Alemayehu von Äthiopien

Das Foto des traurigen Prinzen ging später um die Welt: Prinz Alemayehu von Äthiopien wurde nicht glücklich in Großbritannien. © picture alliance / Heritage Art/Heritage Images | Julia Margaret Cameron

Prinz Alemayehu: Sein Vater verübte Suizid

Nur 18 Jahre. So kurz lebte Prinz Alemayehu* von Äthiopien. Doch es war lang genug, um die Abgründe der menschlichen Natur kennenzulernen. Sein Leben war geprägt von traurigen Schicksalsschlägen und einer herzlosen Politik.

Geboren wurde der Prinz am 23. April 1861 als Sohn von Kaiser Theodor* II. und dessen Frau Kaiserin Tiruwork Wube. Im Land kam es in den Jahren immer wieder zu Konflikten. Am 29. Oktober 1862 schickte der Kaiser schließlich Königin Victoria und anderen Großmächten einen Brief. Er bat um Hilfe gegen Aufständische. Doch die Queen antwortete nicht. Aus Wut ließ Theodor II. den Missionar Henry Aaron Stern gefangen nehmen und auspeitschen. Er sollte nicht die einzige Geisel des Kaisers bleiben. Weil er sich immer wieder vom britischen Empire provoziert fühlte, ließ er in den kommenden Jahren wiederholt Briten und andere Europäer verschleppen.

Schließlich startete die britische Großmacht einen Feldzug gegen den Kaiser. Die sogenannte „Britische Äthiopienexpedition von 1868“ sollte sein Schicksal besiegeln. Ein Tross von 13.000 britischen und indischen Soldaten, 26.000 Zivilisten und mehr als 40.000 Tiere rückten zur Befreiung der Geiseln an. Die Armee des Kaisers war unterlegen. Der Vater von Prinz Alemayehu verübte während der „Schlacht um Magdala“ schließlich Suizid, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.

Er wurde nach Großbritannien verschleppt

Prinz Alemayehu wurde unter der Obhut von Captain Tristram Speedy nach Großbritannien gebracht. Dies entsprach offenbar den Wünschen des verstorbenen Kaisers. Er wollte seinen Sohn in Sicherheit wissen. War es eine Rettung oder eine Entführung? Darüber streitet man bis heute. Seine Mutter sollte ihn ursprünglich begleiten. Die Kaiserin verstarb jedoch während des langen Marschs zur Küste. Prinz Alemayehu verlor also nicht nur seine Heimat, sondern auch noch beide Eltern innerhalb von vier Wochen.

Captain Tristram Speedy

Es gibt verschiedene Aussagen, wie gut sich Captain Tristram Speedy um seinen Schützling kümmerte. Einige Quellen behaupten, er hätte seinen Schützling gezwungen, mit ihm in einem Bett zu schlafen.  © Public Domain

Der Junge wollte nach Hause, durfte aber nicht

Zunächst lebte der siebenjährige Prinz im Haus von Tristram Speedy auf der Isle of Wight. Dort wurde er auch Queen Victoria vorgestellt. Die Königin interessierte sich sehr für den Jungen. Sie ließ sogar mehre Fotos des fremden Prinzen anfertigen. Berührungsängste hatte sie keine. Die Britin kümmerte sich bereits um Omoba Aina (später Sara Forbes Bonetta) aus Westafrika, deren Patentante sie wurde.

Die Königin mochte Prinz Alemayehu, den sie in ihrem Tagebuch als „freundlich, höflich und anmutig“ beschrieb. Doch sie wusste auch, welche Probleme der Junge hatte. Sie notierte, dass der Kaisersohn sich wegen seiner Hautfarbe angestarrt fühlte. Er soll immer wieder die Bitte geäußert haben, nach Äthiopien zurückkehren zu dürfen. Die Monarchin wusste, dass „sein Leben kein glückliches Leben war, voller Schwierigkeiten jeglicher Art“, doch ließ ihn nicht ziehen.

Prinz von Äthiopien

Britische Schulen, britische Traditionen, britische Lebensweise: Der kleine Prinz fühlte sich verloren zwischen zwei Welten. © Royal Collection Trust

Er liegt in der St. George’s Kapelle begraben

Am 14. November 1879 starb Prinz Alemayehu an den Folgen einer Rippenfellentzündung. Queen Victoria bedauerte den Tod des 18-Jährigen. „(Ich war) sehr betrübt und schockiert, als ich per Telegramm hörte, dass der gute Alamayou heute Morgen verstorben war. Es ist zu traurig! Ganz allein, in einem fremden Land, ohne eine einzige Person oder einen Verwandten […] Es tut allen leid“, schrieb die Königin in ihr Tagebuch.

Queen Victoria ließ den Kaisersohn in einem Backsteingewölbe außerhalb der St George’s Chapel von Schloss Windsor begraben. „Ich war ein Fremder und ihr habt mich aufgenommen“, heißt es in einer Erinnerungstafel an den Royal. 150 Jahre später forderte Äthiopien die Überreste seines Prinzen zurück. Einige Briten setzten sich ebenfalls dafür ein. Doch das Königshaus lehnte ab. Und so wird die Seele von Alemayehu wohl niemals in Frieden ruhen. Quellen: Royal Collection Trust, The Guardian, *Schreibweise variiert je nach Quelle

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