Royals und Essstörungen – ein Thema, das in den Königshäusern gerne unter den Teppich gekehrt wird. Doch in der Vergangenheit gab es immer wieder Adlige, die schwer an Magersucht oder Bulimie erkrankten. ADELSWELT verrät, wie sehr die Betroffenen zu kämpfen hatten.

Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es um Essstörungen wie Magersucht und Bulimie. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.

Kaiserin Elisabeth: Ihr Magerwahn war krankhaft

Für ihre Schönheit wurde Kaiserin Elisabeth auf der ganzen Welt bewundert. Doch diese Bewunderung war mehr Fluch als Segen. Denn sie trieb Sisi immer weiter an, ihren Körper nach ihren Maßstäben zu perfektionieren. Mit eiserner Kontrolle überwachte sie ihr Gewicht. Zweimal am Tag stand sie auf der Waage. Um ihr Gewicht niedrig zu halten, setzte sie abwechselnd auf eine Orangen-, Ei- oder Milchdiät. Sogar Abführmittel soll die Adlige genommen haben. Entsprach die Zahl nicht ihren Wünschen, legte sie einen Fastentag ein. Die 1,72 Meter große Kaiserin soll gerade einmal um die 45 Kilogramm gewogen haben.

Kaiserin Elisabeth: Sport und Magersucht
Kaiserin Elisabeth wollte schlank und makellos sein. Dafür schädigte sie ihren Körper. © picture alliance / akg-images | akg-images

Sie trieb ihren Körper zu Hochleistungen

Auch in Sachen Bewegung trieb es die Kaiserin gerne auf die Spitze. Sie marschierte oft so schnell, dass ihre Hofdamen kaum Schritt halten konnten. Oft war Sisi mehr als sechs Stunden unterwegs – natürlich ohne Nahrung. Zudem machte Elisabeth jeden Tag ihre Turnübungen. Am Reck machte sie mühelos Klimmzüge, an den Ringen einen Felgaufschwung. Auch das Reiten gehörte zu ihrer Routine. Manchmal saß sie bis zu acht Stunden am Stück im Sattel.

Die Folgen: Rheuma, Ischias und Gelenkschmerzen. Ihr Körper schmerzte permanent. Und auch den Zahn der Zeit konnte ihr Schönheitswahn nicht aufhalten. Um sich zu verstecken, trug Kaiserin Elisabeth stets Schleier oder Fächer vor dem Gesicht. Das letzte Gemälde wurde von ihr im Alter von 42 Jahren angefertigt. Für die Welt blieb sie so zeitlos schön.

Kronprinzessin Victoria: Der Druck war zu groß

Kronprinzessin Victoria gehört ebenfalls zu den Royals, die dem Magerwahn verfielen. Die ganze Welt wurde Zeuge, wie die junge Frau immer dünner wurde. Die hohen Erwartungen und der große Druck lasteten einfach zu schwer auf der Thronfolgerin. Ende 1997 machte der Palast ihre Essstörung öffentlich. „Victoria ist sehr tüchtig. Das merken Menschen und erwarten sehr viel von ihr. Victoria spürte das und hungerte sich in diese Verzweiflung“, erklärte Königin Silvia das Verhalten ihrer Tochter. 

„Es gab in meinem Leben eine Zeit, in der ich mir sehr einsam und verloren vorkam“, beschrieb Victoria diese Periode ihres Lebens später. „Als Mensch fühlte ich mich gut. Aber als Kronprinzessin befand ich mich nicht im Einklang mit mir selbst. Da kamen plötzlich Essstörungen. Mein Leben wurde damals von anderen, nur nicht von mir bestimmt. Die Kontrolle über das Essen war das Einzige, was mir noch geblieben war. Es war meine Art, mit meiner ständigen Angst umzugehen. Es ist schwer zu erklären, warum ich damals so handelte. Ich hasste meinen Anblick.“

Schließlich machte Kronprinzessin Victoria eine Therapie in den USA und wurde wieder gesund.

Kronprinzessin Victoria von Schweden an Magersucht erkrankt
Mit Anfang 20 magerte Victoria rasant ab. Ganz Schweden machte sich große Sorgen. © picture-alliance / dpa | epa Pressensbild

Prinzessin Diana: Die Bulimie hatte sie fest im Griff

In ihrer Kindheit fühlte sich Diana ungeliebt. Ihre Mutter verließ die Familie, als sie sieben Jahre alt war. Ihr ganzes Leben sehnte sich die Prinzessin deshalb nach Liebe und Anerkennung. Doch auch Prinz Charles konnte ihr nicht geben, wonach sie suchte. Diana erkrankte schließlich an einer Essstörung und schweren Depressionen. Für die Öffentlichkeit erhielt sie die Fassade jedoch weiter aufrecht. „Ich habe, was auch meine Mutter hat. Geht es dir noch so dreckig, kannst du den anderen immer noch vorspielen, wie wunderbar glücklich du bist. Meine Mutter ist Expertin darin, und ich habe das von ihr übernommen. So habe ich es geschafft, mir die Wölfe vom Leib zu halten“, sagte sie.

Die Öffentlichkeit erfuhr erstmals 1992 von ihrer Bulimie, als der Biograf Andrew Morton „Diana: Her True Story“ veröffentlichte. Diana selbst war die Quelle. „Die Bulimie begann in der Woche, in der wir uns verlobt hatten – und es dauerte beinahe ein Jahrzehnt, um darüber hinwegzukommen. Mein Mann legte seine Hand auf meine Taille und sagte: ‚Oh, sind wir hier ein bisschen pummelig?‘ und das löste etwas in mir aus“, so die Mutter von Prinz Harry und Prinz William.

Prinzessin Diana litt an Bulimie
Prinzessin Diana nutzte die Bulimie als Ventil für ihre Gefühle. © picture-alliance / dpa | Press Association

Diana half eine Therapie

Die Selbstzweifel fraßen sie regelrecht auf. „Ich hasste mich so sehr. Ich dachte nicht, dass ich gut genug wäre. Nicht gut genug für Charles, nicht gut genug als Mutter“, erinnerte sich Prinzessin Diana.

Im legendären BBC-Interview sprach die Prinzessin 1995 auch das erste Mal öffentlich über ihre Bulimie: „Das ist wie eine geheime Krankheit. Sie fügen es sich selbst zu, weil ihr Selbstwertgefühl auf einem niedrigen Niveau ist und Sie nicht denken, dass Sie würdig oder wertvoll sind. Sie füllen Ihren Magen vier- oder fünfmal am Tag auf – manche tun es mehr – und es gibt Ihnen ein Gefühl des Trostes. Es ist, als hätte man ein paar Arme um sich, aber es ist vorübergehend. Dann bist du angewidert über deinen vollen Magen und brichst alles wieder raus.“

Das Ende des Versteckspiels war aber auch der Anfang der Heilung. Prinzessin Diana machte eine Therapie bei Dr. Lipsedge. Er bestärkte sie darin, dass das Problem nicht auf ihrer Seite lag. „Nichts ist falsch an Ihnen. Es liegt an Ihrem Ehemann“, sagte er ihr. „In sechs Monaten werden Sie sich nicht wiedererkennen. Wenn Sie Ihr Essen unten halten können, werden Sie sich komplett verändern“, versprach der Experte Diana laut NZ Herald. Und er behielt Recht. Die Anfälle wurden immer weniger und schließlich wurde Diana von ihrer Bulimie geheilt.

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Königin Maud: Schönheitskampf mit den Schwestern

Auch Königin Maud (*1869-†1938) malträtierte ihren Körper, um noch „schöner“ zu werden. Mit ihren Schwestern Prinzessin Victoria und Prinzessin Louise lieferte sich die Königin von Norwegen einen erbitterten Kampf um die schmalste Taille. Daraus entwickelte sich eine ernste Essstörung bei der gebürtigen Britin.

Über Jahre hinweg trug die Tochter von König Edward VII. ein viel zu enges Korsett, das ihre Organe zusammenquetschte. Ihre Wespentaille soll zeitweise nur noch einen Umfang von 45 Zentimetern betragen haben. Zum Vergleich: Selbst die schlanken Supermodels haben einen Taillenumfang von um die 60 Zentimetern. Trotzdem soll sich Königin Maud laut ihrem Biografen Tor Bomann-Larsen oft „viel zu fett“ gefühlt haben.

Magersüchtige Royals
Maud von Norwegen konkurrierte mit ihren Schwestern. Jede von ihnen wollte die dünnste Taille haben.  © picture alliance / Mary Evans Picture Library | –

Ihr Magerwahn machte sie unfruchtbar

Der Schlankheitswahn von Königin Maud blieb nicht ohne Folgen. Wie Tor Bomann-Larsen berichtet, war die gebürtige Britin oft blass, hatte Menstruationsbeschwerden und litt unter Erschöpfung. Zudem galt sie als psychisch labil. Ihre Unfruchtbarkeit verstärkte ihre Verzweiflung nur noch mehr. Sie fühlte sich „nutzlos“, weil sie keine Kinder bekommen konnte.

Nach sieben Jahren Ehe brachte Königin Maud einen gesunden Jungen zur Welt. Bis heute gibt es jedoch Zweifel, ob es wirklich ihr Kind war. Im November 1938 musste sich die Frau von König Haakon VII. schließlich einer Magenoperation unterziehen. Sie überlebte den Eingriff, starb jedoch drei Tage später an einem Herzinfarkt. Ihr Körper war einfach zu schwach. Königin Maud wurde nur 68 Jahre alt.