Prinz Charles ging als Kind durch die Hölle. Nicht nur die grausamen Erziehungsmethoden von Prinz Philip belasteten den Thronfolger, sondern auch die harten Bedingungen im Internat.

Prinz Charles
Prinz Charles hatte alles andere als eine leichte Kindheit. © picture alliance / empics | Niall Carson

Prinz Philip schikanierte Prinz Charles

Der Journalist Prentice Mulford (*1834-†1891) sagte, wir sind die Summe unserer Erfahrungen. Wenn das stimmt, was bedeutet dies dann für Prinz Charles? Denn vor allem in der prägendsten Phase seines Lebens, der Kindheit, musste der Thronerbe viele grausame Erfahrungen machen.

Das Martyrium von Prinz Charles begann bereits als Schuljunge. Prinz Philip hatte es sich zum Ziel gesetzt, einen „echten Mann“ aus seinem Sohn zu machen. Doch der Thronfolger war sensibel, konnte nicht mit dem barschen Ton seines Vaters umgehen. In ihrem Buch „Charles – ein außergewöhnliches Leben“ schreibt Autorin Sally Bedell Smith: „Freunde, die mit Charles‘ Einverständnis zu Wort kamen, berichten, dass der Herzog seinen Sohn ,auf raue Art herabsetzte‘ und sogar ,schikanierte’“.

Das Verhältnis zu Queen Elizabeth war „distanziert“

Oft endeten solche Schikanen mit Tränen. Prinz Philip, ebenfalls geprägt durch seine schwere Kindheit, war jedoch nicht in der Lage, sich in den sensiblen Jungen einzufühlen. Für ihn waren die Gefühlsausbrüche von Prinz Charles ein weiterer Ansporn, ihm seine Dünnhäutigkeit auszutreiben.

„Als Philip bemerkte, dass sich diese Eigenschaften abzeichneten, befürchtete er, Charles könne schwach und verletzbar werden, und so machte er sich daran, ihn abzuhärten“, schreibt die Autorin. Der Gatte von Queen Elizabeth fürchtete sogar, man würde den kleinen Prinzen zu sehr verhätscheln „und dem musste er entgegenwirken“, berichtete Patricia Mountbatten (†2017), eine Cousine von Prinz Philip.

Auch das Verhältnis zu seiner Mutter war nicht besonders eng. Queen Elizabeth war häufig unterwegs, sah ihren Erstgeboren teilweise wochenlang nicht. Der Thronfolger beschrieb seine Mutter als „nicht so gleichgültig, aber distanziert“. Es fehlte Prinz Charles einfach an Liebe.

Prinz Philip wollte aus seinem Sohn ein Abziehbild von sich selbst machen, doch der Junge war nicht so hartgesotten und mutig wie sein Vater.
© dpa / empics | PA

Der kleine Royal wurde in der Schule gemobbt

Mit acht Jahren wurde Prinz Charles auf das Internat Cheam School nach Hampshire geschickt. Der Junge litt unter Heimweh und wurde von seinen Mitschülern schikaniert. Die Kinder mobbten ihn wegen seiner Ohren, nannten ihn „Fatty“ aufgrund seines leichten Übergewichts.

Obwohl ihn die fünf Jahre auf dem Internat schadeten, durfte Prinz Charles danach nicht auf eine Schule in der Nähe seiner Familie gehen. „Obwohl Philip wusste, welche Abscheu Charles vor Cheam hatte, setzte Philip mit noch mehr Nachdruck auf den Wert einer harten Erziehung“, schreibt Sally Bedell Smith. Also schickte man den Thronerben ins Internat Gordonstoun, wo auch Prinz Philip die Schulbank gedrückt hatte. Dort erlebte Prinz Charles die pure Hölle.

Der Sohn von Queen Elizabeth wurde gedrillt

Trotz seiner wohlhabenden Familie erwartete Prinz Charles in Gordonstoun kein Luxusleben. Zur Abhärtung mussten die Jungen das ganze Jahr kurze Hosen tragen und am morgen eine eiskalte Dusche nehmen. Die Fenster in den Schlafsälen waren auch im Winter stets geöffnet. Wer einen Schlafplatz in der Nähe der Fenster hatte, musste sein Bett regelmäßig vom Schnee befreien.

Zudem wurden die Jungen mit dem Rohrstock gezüchtigt und eisenhart gedrillt. Sie mussten einen eisigen Fluss durchqueren und andere Leibesertüchungen bei Wind und Wetter absolvieren. „Plus est en vous – Es steckt mehr in dir“ lautete schließlich das Schulmotto. Den Kindern wurde viel abverlangt.

Die anderen Jungen verprügelten Prinz Charles

Freundschaften, die diesen Qualen erträglicher gemacht hätten, schloss Prinz Charles keine. Er selbst war zu schüchtern, um auf andere Kinder zuzugehen. Wenn Jungen versuchten, sich mit ihm anzufreunden, wurden sie ebenfalls gehänselt.

Um sich seinen Kummer von der Seele zu schreiben, richtete der Royal Briefe an Verwandte und Freude. Sie wurden für ihn zu einer Art Therapie. „Es ist eine solche Hölle hier, besonders nachts“, schrieb Prinz Charles in einem privaten Brief. „Ich kriege so gut wie keinen Schlaf ab … Die Leute in meinem Schlafsaal sind gemein (…) Sie bewerfen mich die ganze Nacht mit Hausschuhen oder prügeln mich mit einem Kissen oder laufen im Raum herum und schlagen mich, so fest sie können (…)“.

Queen Elizabeth zog einen Schulwechsel ihres Sohnes kurz in Erwähnung, gab dann aber den Wünschen von Prinz Philip nach.

„Er kann nie etwas hinter sich lassen“

1967 endete die Zeit von Prinz Charles in dem Internat. Auch Jahre später verfolgte ihn diese Zeit und er klagte öffentlich, wie unglücklich er damals war. „Er kann nie etwas hinter sich lassen“, erklärte seine andere Cousine Pamela Hicks.

Wenn wir also die Summe unserer Erfahrungen sind, ist Prinz Charles ein Mann, der in jungen Jahren viel Schmerz erfahren musste. Ein Mann, dem die Nestwärme einer Familie fehlte und der durch seine Sensibilität zu einem leichten Opfer wurde. Doch das macht nur einen Teil seines Lebens aus. Heute ist Prinz Charles erwachsen und hat sein Glück gefunden. Und vielleicht ist es gerade diese Sensibilität, die ihn eines Tages zu einem guten König macht.